Gab es wirklich Maulbeeren in Arnsdorf?
Ja! In Arnsdorf gab es tatsächlich einmal eine Maulbeer(baum)-Plantage. Wozu das den?
Um diese Frage zu beantworten, muss man weiter ausholen. Ich stütze mich dabei auf den Aufsatz von Helmut Jentsch: Zur Kultur der Maulbeeren und zum frühen Seidenanbau in Brandenburg und in der Niederlausitz mit besonderer Berücksichtigung des Altkreises Calau. in: Niederlausitzer Studien (NS) 36 (2010), [Jentsch 2010] den ich hier kurz zusammenfassen möchte.
In Brandenburg wurden seit ca. 200 Jahren Maulbeeren als Allee- und Parkbäume und vor allem für die Seidenraupenzucht kultiviert. Dieser Zeitraum erstreckt sich ungefähr von der Mitte des 18. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Die Gattung Maulbeere zählt etwa 12 Arten, so die a.) Schwarze Maulbeere, ein bis zu 15 m hoher Baum, b.) die Weiße Maulbeere, die als Baum mit weit ausladender Krone oder auch als Hecke gezogen werden kann und c.) die Rote Maulbeere, ebenfalls ein Baum, jedoch mit einer eher rundlichen Krone.
Die Maulbeere selbst war aber nicht der wichtigste Grund die Baume anzupflanzen. Wichtig waren die getrockneten Blätter. Denn der Seidenspinner ernährt sich ausschließlich von den Blättern der Weißen Maulbeere. Daher wurde in Brandeburg vornehmlich die Weiße Maulbeere kultiviert.
Diese Maulbeere stammt ursprünglich aus China und Korea. Dort wurde sie schon vor mehr als 4000 Jahren zur Seidengewinnung genutzt. Im 11. Jh. gelangte die Pflanze nach Europa und wurde dort seit dem 18Jh. als Futterpflanze für Seidenraupen angepflanzt. In der Lausitz ist sie seit 1594 (Johannes Franke: Hortus lusitae.) nachgewiesen.
Bereits Friedrich Wilhelm I. (1688-1740) engagierte sich für die einheimische Produktion von Seide. Friedrich II. (1712-1786) forcierte den Seidenanbau noch einmal erheblich.
Die ersten Pflanzungen entstanden in Potsdam, Frankfurt a.d. Oder und in Peitz. Für 1718 sind Pflanzungen in Cottbus belegt, 1780 ist die Raupenzucht bereits bis nach Calau vorgedrungen [Jentsch, S.75]. 1787 wuchsen in der sächsischen Niederlausitz bereits um die 30.000 Maulbeerbäume [ebenda].
Mit dem Übergang vom 18. zum 19. Jh. wurden die staatlichen Förderungen des Seidenanbaus zunehmend zurückgefahren und mit der Niederlage Preußens im Vierten Koalitionskrieg 1806 gegen Napoleon hatte Frankreich ein Interesse, die preussische Konkurrenz in der Seidenproduktion zurückzudrängen. Daher wurde in den Folgejahren der Seidenanbau eingestellt.
Mit dem Jahr 1815 gelangte die Niederlausitz zu Preußen und bis 1850 nahm das Interesse am Seidenanbau wieder zu.
Wer jedoch in Arnsdorf die Maulbeerplantage angepflanzt und die Seidenraupenzucht zwischen 1800 und 1830 betrieben hat, das konnte ich bisher noch nicht herausfinden. Ich bleibe aber dran ...
Eine Quelle, die sich gerade in der Erschließung befindet, ist folgende:
GStaPk: I. HA Rep. 99, Nr. 2399 - Zucht von Seidenraupen durch den Küster Neumann in - 1756 - 1785